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Unfolkkommen

Säggs'sche Liedtexte

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De Feuerwehr von Siebenlehn

Hört ihr Leut von Siebenlehn die traurige Geschicht,
die sich zugetragen hat, in Versen ich bericht`.
Dort wurde kräftig gegogelt, de Feuerversicherung bemogelt.
Se lebten flott in Saus und Braus, bis kam der Schwindel raus.

Das Oberhaupt von Siebenlehn verfolgte stets den Zweck,
daß Siebenlehn muß Großstadt wern`,
die alten Buden feuern mor weg.
Drum gab mit der Laterne, er den Befehl so gerne,
reißt nieder, was ihr reißen könnt, damit´s ooch ordentlich brennt.
 
Feuert die alten Buden ab, de Versicherung zahlt ne neue Stadt.
Zünd an, lasst´s brenn, zünd an, lasst´s brenn,
so löscht mor in Siebenlehn.

Die Feuerwehr von Siebenlehn war gut organisiert.
Die wußten montags schon vorher, wo´s mittwochs brennen wird.
Es war bald nich mehr scheene, de Streichhölzer krichten Beene.
De Feuerwehr hieß nur allgemein „Dor Verscheenerungsverein“.
 
Feuert die alten Buden ab, de Versicherung zahlt ne neue Stadt.
Zünd an, lasst´s brenn, zünd an, lasst´s brenn,
so löscht mor in Siebenlehn.

Und kam emal zur Hilfe schnell ne andre Feuerwehr.
Da sachten die von Siebenlehn „Kommt ja nich zu uns her!
Wenn ihr uns wollt helfen löschen,
da tun mor euch ordentlich verdreschen.
Wollt ihr emal e Feuer ham, da brennt euch doch selber eens an!“
 
Feuert die alten Buden ab, de Versicherung zahlt ne neue Stadt.
Zünd an, lasst´s brenn, zünd an, lasst´s brenn,
so löscht mor in Siebenlehn.

Bei Bayrisch und bei Lagerbier, da löscht es sich famos.
Und wenn's ma ni richt‘sch brennen wollt, nu da war dor Deifel los.
Se sprangen off de Dächer und hackten große Löcher,
da gossen se Petroleum ran und brannten`s noch e´mal an.
 
Feuert die alten Buden ab, de Versicherung zahlt ne neue Stadt.
Zünd an, lasst´s brenn, zünd an, lasst´s brenn,
so löscht mor in Siebenlehn.
 
 
Die Heldentaten von Siebenlehn warn weit im Land bekannt.
Kee Wunder, daß im Dresdner Schloss Gefallen mor daran fand.
Dor Friedrich August von Sachsen, persönlich und hochwohlgewachsen,
gab für das Treiben der Feuerwehr noch Orden und Prämien her.
 
Feuert die alten Buden ab, de Versicherung zahlt ne neue Stadt.
Zünd an, lasst´s brenn, zünd an, lasst´s brenn,
so löscht mor in Siebenlehn.

 

So ging das eene ganze Zeit, bis kam der Schwindel raus.
Denn wo so viele Schuster wohn‘, da bleibt das Pech nich aus.
De Feuerwehr, die brave, die kricht nu ihre Strafe.
Se löst sich off, oh Schreck Malheur, seitdem brennt´s überhaupt nich mehr.
 
Feuert die alten Buden ab, de Versicherung zahlt ne neue Stadt.
Zünd an, lasst´s brenn, zünd an, lasst´s brenn,
so löscht mor in Siebenlehn.
 

Quelle: Nach einer wahren Begebenheit
Gehört von: Jörg Heinicke aus (Annaberg) Buchholz
 

Kontakt

In unserem kurzweiligen Workshop erzählen wir Euch davon. Wir haben acht Lieder aus unserer Region ausgewählt, die wir in den letzten Jahren ausgegraben, zufällig gefunden oder aus dem Publikum geschenkt bekommen haben. Zu all diesen Liedern gibt es eine Geschichte, alte Liederbücher, Grafiken, Fotos oder alte Liedpostkarten, die wir zum Anschauen und Anfassen dabeihaben. Im Mittelpunkt jedoch steht meist die uns von netten Menschen ins Handy gesungene Liedvariante, vielleicht noch etwas illustriert mit gefundenen Melodie-Vorlagen.

Mit diesem Werkzeugkasten erzählen wir Euch, warum und wie wir diese Lieder gesucht und gefunden haben, wie wir mit dem vorgefunden Material (mal mehr oder weniger behutsam) umgehen, warum es früher oftmals keine Refrains gab und wir den selber schreiben mussten oder dass es auch für uns Strophen und Textpassagen gibt, die im früheren Kontext zwar absolut verständlich waren, für uns heute aber nicht mehr singbar sind. 

Liedtexte nebst Quellen und Grafiken haben wir für jeden Teilnehmer als kleines analoges Heften dabei, so dass Ihr auch alle mitsingen könnt. Bei allem Spaß, den wir im Workshop haben werden: Wir sind uns sicher, dass Ihr mit der Erkenntnis nach Hause geht, dass Folkslieder in Mundart zu singen weder peinlich noch putzig ist, sondern ein wertvoller und erhaltenswerter Teil unserer regionalen Tradition und unseres kulturellen Erbes.

Unsere Quellen seht Ihr in der Bildergalerie.
© Unfolkkommen
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